Sonntag, 29. März 2015

{Kinder}: Von Kindheit und Freiräumen

Viel Platz zum Leben, Spielen und Toben war für mich als Kind selbstverständlich. Aufgewachsen in einem großen Haus mit einem schönen Garten und einem eigenen kleinen Wald verbrachte ich mit meiner besten Freundin viel, viel Zeit draußen. Unser eigener Wald war zwar schön, hatte mit Abenteuer aber nicht viel zu tun. Deshalb waren wir in jeder freien Minute zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und erkundeten unsere Nachbarschaft. Mal als Agentinnen in geheimer Mission, mal als Vampirjäger oder Detektive, die einen schaurigen Fall lösen mussten.




Unsere kindliche Fantasie war grenzenlos. Wir witterten hinter jeder verschlossenen Tür ein Abenteuer und scheuten uns auch nicht davor, in fremden Scheunen nach geheimen Dokumenten zu suchen und tatsächlich zu finden. Heute würde man das wahrscheinlich Hausfriedensbruch nennen und die Kinder einen riesigen Ärger bekommen. Wir wurden nie entdeckt und unsere Eltern haben von diesen Geheimaktionen natürlich auch nie etwas erfahren. Zu der Zeit, als wir die Bücher vom Kleinen Vampir verschlungen haben, waren wir sonntags sogar regelmäßig auf Friedhöfen, um verdächtigen Spuren nachzugehen. Wir haben uns zwar vor Angst fast jedes Mal in die Hose gemacht, aber wir hatten jede Menge Spaß.



Als ich vor kurzem bei meinen Eltern war, bin ich wieder durch unseren kleinen Wald gegangen und habe mir seit langem die Gegend angeschaut, die ich als Kind so geliebt habe, aber gar nicht zu schätzen wusste. Als ich um die alte, verwitterte Holzhütte unserer Nachbarn herumgeschlichen bin, habe ich mich fast wieder wie früher gefühlt. Immer die Angst im Nacken, vielleicht doch erwischt zu werden.



Für meinen Mann und mich war immer klar, dass wir irgendwann auf dem Land leben möchten, damit unsere Kinder ähnlich naturverbunden aufwachsen. Aus diesem Grund sind wir vor sechs Jahren von der Stadt aufs Dorf gezogen. Unsere Jungs spielen in unserem Garten und kämpfen dort gegen Monster, Zwerge und andere Kreaturen, wir gehen zusammen auf den Spielplatz, fahren gemeinsam Fahrrad oder gehen zum Eisladen in unserem Dorf. Sehr behütet und immer unter unseren wachsamen Augen. Mit anderen Kindern alleine in den Wald gehen oder mit einem Freund in den Ferien von früh bis spät mit dem Fahrrad unterwegs sein, so wie ich es als Kind gemacht habe? Fehlanzeige.
Unser Großer wird in wenigen Wochen 9 Jahre alt und ich frage mich immer öfter, wieviel Freiraum für sein Alter angemessen ist. Klar, ist das auch immer vom jeweiligen Kind abhängig, aber ein Fahrplan wäre mir manchmal schon ganz lieb. Auch wenn andere Kinder in seinem Alter vielleicht schon mehr dürfen, tasten wir uns ganz langsam heran. Seit letztem Jahr darf er mit dem Fahrrad alleine zu seinen Freunden im Dorf fahren und ich schicke ich ganz bewusst öfter los, um für mich Kleinigkeiten zu besorgen. Und ich sehe, wie er sich freut und diese neue Freiheit unglaublich genießt. Und ich sitze zu Hause und bin sowas von unentspannt, weil ich mir Sorgen mache, dass irgendwas passieren könnte. Die hat sich meine Mutter bei mir früher sicher auch gemacht, aber sie war so schlau und hat das nie durchblicken lassen.



Wenn Ihr Lust habt, erzählt doch mal, wie das bei Euren Kinder so läuft.
Kommentare on "{Kinder}: Von Kindheit und Freiräumen"
  1. Deine Fotos sind wirklich toll und erinnern mich ein bisschen an meine eigene Kindheit im hohen Norden. Danke für Deine schönen Einblicke, viele Grüße, Julia.

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  2. Was für ein schöner Post. Und wie wahr. Wenn ich denke was ich früher mit meiner Freundin alles gemacht habe. Stundenlang alleine mit dem Rad durch die einsame Gegend (Nachbardörfer und weiter) gefahren. Und wenn ich mich richtig erinnere war ich da vielleicht 10 oder 11. Bei uns fängts jetzt an, dass meine Tochter alleine weggeht und ich NICHT direkt Rückmeldung bekomme, ob sie dort auch angekommen ist. Ein komisches Gefühl. Noch dazu Streitpunkt zwischen meinem Mann und mir. Ich sage: sie beherrscht die Verkehrsregeln und "passieren" kann immer was. Jetzt genauso wie in 5 Jahren. (Meine Tochter ist 7). Dann sieht man wieder eine Reportage im TV und es wird einem ganz anders zumute und man möchte sich am liebsten direkt an sein Kind dranheften. Schon schwierig. Zum Glück fordert meine Tochter gewisse Selbständigkeiten ein und so bekommt sie diese auch.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  3. Oh ja... Freiraum ist so ein Thema für sich. Unser Großer ist jetzt 6 und macht sich leider öfter ungefragt selbstständig. Steigt nach der Vorschule irgendwo auf halber Strecke aus dem Schulbus aus. Schmeisst sein Fahrrad vor neben die Pforte (wir wohnen direkt am Wald) und sitzt dann seelenruhig bei den Nachbarn während ich die Gegend absuche. Das andere Kind hinter mir her schleifend. Er sucht das Abenteuer. Um nicht zu sagen das Risiko. Schwierig. Und gefährlich! Hier im Ort und in zwei Nachbarorten wurden letzte Woche mehrmals Kinder angesprochen und versucht zum Auto zu locken. Alle Schulen und Kindergärten sind informiert. Ein ganz schlechter Zeitpunkt also um Freiraum auszuleben...! Aber mit dem Schulstart wird es sicherlich auf zu neuen Ufern gehen. Das ist ja schon ein ganzes Stück mehr Erfahrung und Verantwortung. Den Freiraum fordern die Kinder dann wohl automatisch ein. Also, nehme ich an...!!! :-))
    Allerliebste Grüße...
    von Meike

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  4. Ich habe mal wieder Einiges nachzulesen, so lange habe ich keine Blogtour mehr gemacht. Ein schöner Post mit wunderschönen Fotos!!! Ich bin auch auf dem Dorf aufgewachsen, habe dort als Kind unzählige Freiheiten genossen und mit meinen Freunden Erkundungstouren im Ort oder Wald gemacht. Ich musste immer zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause sein und gut war. Das war toll, wir haben jede Menge Unsinn gemacht und es ist uns nie etwas passiert. Aber es geht mir wie dir. Ich könnte mir das für meine Kinder auch nicht mehr in dem Ausmass vorstellen. Jetzt sind sie ja noch klein, aber auch in ein paar Jahren wird es mir sicher schwer fallen, das richtige Mass an Beschützen wollen und Loslassen zu finden.
    Liebe Grüsse

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Schön, dass Ihr bei mir vorbeischaut. Ich freue mich über Eure Nachricht!

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