Freitag, 5. Oktober 2012

Und was glaubst Du?


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Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Post schreiben soll. Religion ist immer ein sehr persönliches und  heikles Thema, aber mich interessiert wirklich Eure Einstellung. Ich bin kein gläubiger Mensch und ich kann mir selbst nicht erklären, warum ich mich so extrem dagegen sträube, zu glauben. Als Kind habe ich mit meiner Mutter gebetet, viele Jahre lang, jeden Abend. Es war ein schönes Ritual vor dem Schlafengehen, aber den Sinn dahinter habe ich mit vier, fünf Jahren noch nicht verstanden, glaube ich. Ich habe gerne in meiner Kinderbibel geblättert und war von den Geschichten fasziniert.

Mit dem Konfirmandenunterricht kam dann der Anfang vom Ende: Während meine Freundinnen in meinem Heimatdorf zur Kirche gingen, sollte ich in der Gemeinde in der Nachbarstadt meinen Unterricht absolvieren, in der ich auch getauft worden war. Ich einer lächerlich kleinen Runde von etwa zehn Jugendlichen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte und einem furchtbar konservativen Pastor, musste ich meine Zeit absitzen. Während meine Freundinnen zu Hause ihren Spaß hatten, (den Eindruck hatte ich jedenfalls immer), musste ich in einem dunklen Raum das Glaubensbekenntnis runterleiern, bis auch der Letzte es verstanden hatte. Ich habe diese Zeit gehasst.

Später dann, in der Oberstufe, hatte ich als Prüfungsfach tatsächlich Religion, interessierte mich aber mehr für die weltlichen Themen. Zum Kirchentag bin ich nur gefahren, um nicht zur Schule gehen zu müssen. Als ich älter wurde habe ich mich viel mit Buddhismus und Hinduismus beschäftigt, immer ein bisschen auf der Suche nach einem Glauben. Andere können doch auch glauben, warum ich nicht? Diese Frage hat mich lange begleitet. Wenn ich heute einen tollen Sonnenaufgang sehe oder ein Naturschauspiel, das mich sehr berührt, denke ich an Physik, den Urknall oder sonstwas, aber niemals an einen Gott, der das alles erschaffen haben soll.

Schwierig wird diese ganze Glaubenssache dann, wenn man Kinder hat. Unser Großer ist jetzt in der Schule und hat zwei Mal in der Woche Religion. Ich möchte, dass er unvoreingenommen seinen Weg findet und sich später seine eigene Meinung bilden kann.  Er kennt mittlerweile meine Einstellung zu diesem großen Thema und meinte letztens: "Mama, du glaubst ja sowieso nicht an Gott. Aber wer soll denn dann bitte die Menschen gemacht haben?"

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Betet Ihr mit Euren Kindern? Geht Ihr (regelmäßig) in die Kirche? Beschäftigt Ihr Euch im Alltag mit Gott? Oder ist Euer Glauben einfach da und Bedarf keiner weiteren Erklärung? Über Eure Antworten würde ich mich wirklich, wirklich freuen.


Kommentare on "Und was glaubst Du?"
  1. Das ist ein sehr persönlicher Post und ich bewundere deine Offenheit. ich bin inzwischen auch sehr vorsichtig geworden was und wie ich es schreibe. Daher werde ich mich auch nicht detailliert zu meinem Glauben äußern. Ich sage nur so viel, dass ich wie du keiner Glaubensgemeinschaft angehöre und mich auch zu keiner wirklich hingezogen fühle. Für mich ist Glaube eher ein ganz persönliches Gefühl, das nicht in irgend eine Doktrin oder Lehre gepresst werden kann.
    Ich bin gespannt auf die anderen Antworten, da es wirklich ein brisantes Thema ist!
    Hab einen schönen Tag und sei ganz herzlich gegrüßt,
    Dani

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  2. dani hat alles gesagt...ergänzen möchte ich vielleicht noch, dass glaube und religion sich für mich ausschließen, denn wie kann etwas ganz individuelles und persönliches in gruppen organisiert sein? ich finde, dass sich religionen, zu unser aller wohl,langsam auflösen könnten. meine kinder haben den religionsunterricht nicht besucht, sondern sind in ethik unterrichtet worden.und politik, die religiös begründet wird, macht mich wütend - egal von welcher religion.
    sonnige grüße von birgit

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  3. Huihui, wirklich ein heikles Thema, was du da ansprichst und sehr weites Feld.
    Wenn ich auf die Frage, ob ich einer Religion angehöre, antworte, dass ich römisch-katholisch bin, weiss ich schon, dass ich mich im nächsten Moment erklären, ja rechtfertigen, muss. Ich bin im christlichen Glauben erzogen worden, sprach als Kind mein Abendgebet, ging immer gern in die Kirche, war Messdiener und Lektor. Irgendwann in meiner Jugend begann ich, das alles zu hinterfragen. Religionen, Glauben, die katholische Amtskirche, die Strukturen des Vatikans... Das passte plötzlich so gar nicht mehr in meine Welt. Da waren unter anderem Lehrmeinungen, Vorfälle und Handlungen, mit denen ich mich bis heute nicht identifizieren kann und will und die mir völlig widerstreben. Ich ging also nicht mehr in die Kirche. Aber trotzdem behielt ich den katholischen Glauben bei. Da waren zum Beispiel Werte, an denen ich mich weiterhin orientierte, da waren persönliche stille Gebete, um mich zu bedanken, wenn mir etwas Gutes passierte oder um Halt zu finden, wenn etwas Schreckliches passierte.

    Ich bin weit davon entfernt ein aktives Kirchenmitglied zu werden, aber ich habe in den letzten Jahren Menschen kennen gelernt, die an der Kirchenbasis arbeiten, die seelsorgerisch und in der Jugendarbeit einen tollen Job machen. Und die energisch versuchen, etwas zu verändern, die veraltete Regeln und Ansichten, an denen machtorientierte Männer so gerne festhalten wollen, aufbrechen möchten. Das finde ich wichtig und richtig und das brachte mir die Kirche wieder ein klein wenig näher.

    Der kleine Mann ist getauft und wir versuchen, ihm etwas von unserem Glauben mitzugeben. Er wird ein freier grosser kleiner Mann werden, der - so wie ich - irgendwann seinen Glauben und seine Kirche hinterfragen wird. Wie er sich dann entscheidet, bleibt vollkommen ihm überlassen.

    Liebe Grüsse
    Chrissi

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  5. Auch ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an, seit ich mit Erreichen der Kirchenmündigkeit nach der Konfirmation aus der evangelischen Kirche ausgetreten bin. Für mich hat Glaube nichts mit Kirche zu tun, nichts mit Regeln, Vorschriften, Gesetzen, mit Angst, Beichten, Buße, Rosenkränzen, Ablasshandel und vor allem ist sie nicht staatlich finanziert oder politisch motiviert. Für mich ist das was ich glaube etwas sehr Persönliches, nicht Greifbares, aber vor allem auch keine Massenbewegung.
    Trotzdem respektiere ich Glaubensgemeinschaften, weil ich erlebt habe, dass sie Menschen auch sehr viel Halt geben können und dass glauben zu Können, gerade an das Leben nach dem Tod, etwas ungemein Tröstliches sein kann, das vielen Menschen sehr hilft. Gerade wegen dem letzten Punkt würde ich mir oft wünschen, ich könnte daran "glauben".
    Kirchen empfinde ich oft als Orte, an denen man sich selbst und dem Universum sehr nahe sein kann, vor allem in lauten Städten. Das hängt aber eher mit der Architektur, der Stille, der Temperatur, den Materialien und dem Licht zusammen.
    Ich glaube daran, das alles im Leben miteinander verbunden ist und es sich beim Leben auf der Erde um ein geschlossens System handelt, hinter dem Sinn steckt. Auch, dass man mit dem "Glauben" sehr viel bewegen und steuern kann - gerade in seinem eigenen Leben - und dass an etwas zu glauben ungeheure Energie entwickeln und das Handeln und die Aufmerksamkeit in bestimmte Richtungen lenken kann. Ich glaube, dass es vieles zwischen Himmel und Erde gibt, das wir (heute noch) nicht fassen und wissenschaftlich erklären können, das aber trotzdem Auswirkungen auf uns hat. Und ich glaube an die Natur, an einen größeren Sinn hinter allem und ich glaube an viele Tugenden, die auch in den meisten Religionen verankert sind. Aber ich glaube nicht an eine Gottesgestalt, nicht an Stellvertreter auf Erden und nicht daran, dass es etwas mit Glauben zu tun hat, seine Religion mit Gewalt zu verbreiten oder politisch einzusetzten.
    Ich habe in Ethik Abitur gemacht damals und mein Sohn besucht heute schon in der Grundschule den Ethikunterricht, denn er ist natürlich auch nicht getauft und wird sich später frei entscheiden können, ob und wenn ja, an was er glaubt. Er besucht mit der Schule und mit mir Kirchen, Moscheen und Synagogen und auch in der Schule wird über christliche, moslemische, jüdische und buddhistische Feiertage gesprochen. Das gehört für mich auch zur soziokulturellen Bildung dazu.

    Jeder sollte das glauben dürfen, was er möchte und auch angstfrei darüber sprechen und schreiben können, so lange er damit nicht gegen Gesetze oder die Moral verstöst. Insofern weiß ich auch nicht, was brisant daran ist darüber zu sprechen, was oder wem man glaubt. So weit sollten wir eigentlich nie mehr kommen.
    Und wenn jemand nicht an das glaubt, was ein anderer glaubt... so what? Ich trage auch nicht die Schuhe meiner Nachbarin, weil sie mir nicht passen, muss sie deshalb aber auch nicht verteufeln, nur nicht anziehen. :-)

    Herzlich, Katja

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  6. Also grundsätzich finde ich es sehr wichtig, wenn man an etwas glaubt. Aber da ich katholisch geprägt aufgewachsen bin, und ich es als Frau in dieser Gemeinschaft besonders schwierig fand, und außerdem mit dem hieigen "Bodenpersonal" überhaupt nicht einverstanden bin, bin ich aus der Kirche ausgetreten.

    Ich persönlich brauche keine Kirche um meinen Glauben zu leben. Mein Kind habe damals evangelisch Taufen lassen, und er ist auch ganz normal und unvoreingenommen aufgewachsen. Aber heute teilt er meine Ansichten und lebt lieber einen Alltag, bei dem man eher den Mitmenschen ein Ohr gibt, oder eine helfende Hand, als Stunden in einer Kirche zu beten.

    Aber da mich Dein Blog sehr inspiriert habe ich Dich mit einer "Kleinigkeit" bedacht ;o) Wenn Du am Wochenende mal kurz Zeit hast, dann würde ich mich über eine Stippvisite freuen.

    LG von Natalie.

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  7. ich finde, wie katja, dass glaube kein brisantes thema ist, weil jeder dass glauben sollen dürfte, was er möchte. obwohl ich glaube, dass es doch ein bisschen schwieriger ist, als die "schuhe der nachbarin", denn immerhin geht es dabei ja um mein persönliches lebenskonzept, meine weltanschauung. das berührt mich ja mehr als andere themen.

    ich bin christlich aufgewachsen und habe immer an gott geglaubt. als kind war das völlig selbstverständlich für mich. aber irgendwann habe ich den glauben meiner eltern ziemlich hinterfragt - das war ja schließlich eher "second-hand-glauben" für mich - und hatte überhaupt keine lust mehr auf das christliche leben, dass meine eltern mir vorgelebt haben.

    meine lebensgeschichte kann ich jetzt hier nicht auspacken, aber inzwischen bin ich um ein paar erfahrungen und geschichten reicher und bin wieder genau da angekommen, wo ich mal aufgehört habe :-) nur dass es jetzt nicht mehr die erfahrungen meiner eltern sind, sondern meine.

    und da ich an gott glaube, erzähle ich auch meinen kindern davon. und sie werden mir glauben, denn als ihre mama bin ich vertrauenswürdig für sie... bis sie selbst irgendwann den glauben und die weltanschauung ihrer eltern hinterfragen und neu ordnen und ihren eigenen glauben finden wollen.

    generell finde ich es wichtig, dass sie mit respekt für andere meinungen aufwachsen, egal ob in glaubensfragen oder was auch immer.

    ich find's super, dass du darüber schreibst. das ist doch ein interessantes thema :-)

    liebe grüße!
    steffi

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  8. Ihr Lieben, vielen Dank für Eure sehr ausführlichen Einblicke und Meinungen. Ich wünsch Euch ein tolles Wochenende. ;-)

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  9. Ein wirklich interessantes Thema Viola.
    Kurz gesagt: ich bin römisch-katholisch, bin zur Kommunion gegangen, mit meinen Eltern nicht in die Kirche gegangen dafür manchmal mit Oma. Ich wurde nicht religiös erzogen, als ich mir ein Kreuz zur Firmung wünschte, konnte es keiner verstehen und ich bekam es auch nicht. Und doch bin ich irgendwie zum Glauben gekommen. Beschreiben kann ich ihn in kurzen Worten kaum (schreib mal nen Blogartikel in den nächsten Tagen darüber). Manchmal engagiere ich mich stark in der kirchlichen Gemeinschaft, manchmal ist das Hinterfragen größer und ich distanziere mich immer wieder.

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Schön, dass Ihr bei mir vorbeischaut. Ich freue mich über Eure Nachricht!

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