Mittwoch, 12. September 2012

Familienessen: Zu Gast bei "Emil und die großen Schwestern"


Heute habe ich quasi bei meiner Nachbarin auf den Familienesstisch geschielt. Die Designerin Éva mit ihrem so schönen Blog "Emil und die großen Schwestern" aus Hannover zeigt Euch ihr allerliebstes Familienessen. Éva ist Mama vom 5-jährigen Emil und den zwei erwachsenen Töchtern Lilly und Julia. Macht's Euch gemütlich und viel Spaß beim Lesen!

 


Welches ist Euer absolutes Lieblingsessen, das bei der ganzen Familie, vor allem bei Deinen Kindern Begeisterungsstürme auslöst?

Alle drei haben unterschiedliche Lieblingsgerichte, aber was alle wirklich uneingeschränkt mögen und selbst im Urlaub einmal auf den Tisch schaffte, ist das salzige arme Ritter, die in Ungarn "Brot im Pelz" heißt. Die stehen tatsächlich noch vor den Palatschinken auf der Favoritenliste.




Wie experimentierfreudig sind Deine Kinder? Probieren sie alles aus oder gibt es Protest?

Besonders die Großen sind ziemlich aufgeschlossen für neue Gerichte. Emil muss noch erstmal testen und genau erfragen, ob nicht etwas drin ist, was er nicht mag. Er mag keine Tomatensoße, und Zwiebelstückchen im Essen. Zucchini, Paprika nur roh und nicht gekocht. Ich hoffe, es ist nur das Alter, die beiden Mädchen hatten auch ihre "ich mag es nicht" Phasen. Lilly aß 18 Jahre kein Käse, außer Frischkäse. Jetzt traut sie sich sogar an reifere Camembert und Blauschimmel. Erbsen und Blumenkohl müssen auch nicht unbedingt sein. Julia mag keine Zuchini und keine Pilze. Ich akzeptiere es beim Kochen, aber die Gerichte werden nicht verbannt. Die anderen mögen es. Sonst ist es ist wirklich selten, dass sie nicht probieren. Lilly musste im Urlaub sich wirklich überwinden Muscheln zu probieren, aber sie tat es doch. Kommentar: Wenig Eigengeschmack, schmeckt nach Soße und Fisch und das Aussehen ist eher unappetitlich. Wir waren anderer Meinung, aber über Geschmack muss man nicht streiten.

Welche Nahrungsmittel gehen bei Euch Zuhause gar nicht?

Was wir wirklich nicht kaufen, sind Fertiggerichte und "Fix und fertig Tüten". Wenn wir wenig Zeit haben, dann gibt es etwas Schnelles, wie die armen Ritter, oder Nudeln mit Kräuter und Parmesan oder  die ungarische Variante mit  heißem Schmand und Käse, ein Omelett mit frischem Salat... Es gibt so viele tolle, schnelle Gerichte die wirklich ohne Zusatzstoffe fix fertig sind.

Wie wichtig sind Euch feste Rituale am Tisch, wie zum Beispiel gemeinsames Tischdecken, ein Tischspruch (wie im Kindergarten) oder ein Gebet?

Es ist in der Woche leider selten, dass wir alle zusammen am Tisch sitzen. Emil isst im Kindergarten Mittag, Julia hat sehr unterschiedlich Schulschluss. (Lilly führt schon ihren eigenen Haushalt.) Emil animiert uns die Kindergarten-Tischsprüche zu lernen, aber es ist keine wirkliche Tradition bei uns. Was allerdings sehr wichtig ist, wenn man fertig ist, für das Essen zu bedanken. Egal wer gekocht hat, es wird bedankt. In meinem Elternhaus und in vielen ungarischen Familien ist es sehr unhöflich vom Tisch aufzustehen ohne danken. Als Kind haben wir meine Großmutter gefragt, warum sie sich bedankt, wenn sie selbst gekocht hat. Ihre Antwort war: Man bedankt sich, weil wir in der glücklichen Lage sind gutes Essen auf den Tisch zu haben. Außerdem haben Papa und Mama das Geld dafür verdient und wir alle haben es zu Ausdruck gebracht, dass es schmeckt, was sie zubereitet hat. Dafür sagt man, danke.  Sicherlich war es eine andere Generation, die anderer Zeiten erlebt hat, aber ich finde es sehr schön und sehr wichtig es beizubehalten.

Was hast Du als Kind gerne gegessen?

Ich glaube alles. Ich wuchs mit den Kochkünsten meiner Großmutter auf, die die wunderbarsten traditionell ungarische Speisen gekocht und gebacken hat, und mit der Experimentierfreudigkeit meiner Eltern, die für vieles offen waren und wenn Oma nicht da war auch gerne neues ausprobiert haben. Außer der Schulferien hat wohnte und kochte sie bei uns, den Sommer verbrachte sie in ihrem Haus und kochte meine Mama. Ich wuchs in einem kleinen "Bauerndorf" auf. Wir hatten zwar selbst keine Tiere gehalten, aber es gab hier nur frischtes "Bio"Fleisch!, Gemüse und Obst aus dem Garten, die kurz vor dem Kohlen frisch gepflückt wurde Waldpilze, im Jagdsaison Wild und im Sommer frischer Flussfisch. Es war einfach unmöglich, es nicht zu mögen. Oma hat unsere Wünsche vom Lippen gelesen. Kaum ausgesprochen, dass wir Hunger auf etwas Süßes haben, knetete sie schon den fluffigsten Hefeteig, die ich je gegessen habe, machte uns Popkorn über Holzfeuer, oder es gab kühles Dickmilch mit Honig oder Zimtzucker und frische Früchte dazu.
Mir fällt doch noch etwas ein. Sie backte eine Art Kartoffelfladen direkt auf der Platte des Holzofens. Wir aßen es mit geschmolzenem Butter bestrichen und fast schwarzem, dicken Pflaumenmus, die sie im Saison in Kupferkessel  einkochte. Ich habe es über alles geliebt. Keiner in der Familie hat das Rezept. Ich versuche es immer wieder nachzubacken, aber es ist mir immer noch nicht gelungen den Geschmack der Kindheit zu "rekonstruieren"

Als ich früher krank war, hat mir meine Mutter immer Grießpudding gemacht und mir ging es ein kleines bisschen besser. Gibt es bei Euch auch so ein "Tröster-Essen"?

Ein bewährtes "Tröster-Essen" gibt es nicht. Wenn einer krank ist, darf man wünschen. Emil neigt besonders dazu, gar nichts essen zu wollen. Manchmal kann man ihn mit Grießbrei locken, aber eher im halbgesunden Zustand.  Meistens gibt es "Zaubertees" und später das Wunschessen.

Wie wichtig ist für Dich und Deine Familie gesunde, ausgewogene Ernährung und wie setzt Du sie um?

Sehr-sehr wichtig. Wir kochen jeden Tag und meist abwechselnd. Immer, wer gerade mehr Zeit hat. (Wir sind beide Selbständig). An den Wochenenden kochen wir viel aufwändiger. Kochen ist ein gemeinsames Hobby von uns. Wir probieren gerne internationale Rezepte aus. Mal gibt es Indisch, mal Ungarisch, oft Italienisch, oder generell mediterrane Speisen, in der letzten Zeit probierte ich öfter arabische Gerichte. Wenn wir mit meiner ungarischen Familie zusammen sind, gibt es richtige Koch- und Ess-Sessions. Es macht wahnsinnig viel Spaß mit Anderen zusammen zu kochen und zu Essen. Viele unsere Freunde sind auch begnadete Köche und gerade im grauen Jahreszeit treffen wir uns zu gemeinsamen Essen und Kochen.
Für die Kinder ist es auch immer wieder ein Erlebniss. Sie helfen die frische Paste auszurollen oder Teig zu kneten, spielen dabei. Durch die ganze Wohnung zieht ein wunderbar würziger Geruch und ein Stimmengewirr aus Musik, lautes Unterhalten brutzelnd-brodelnde Küchengeräusche. Danach sitzen wir alle zusammen an dem schön gedeckten Tisch. Ich liebe es! Ich glaube diese Erinnerungen prägen die Kinder. Lilly ist der erste Beweis. Sie kocht gerne, sammelt Rezepte. Mit wenig Geld kochen sie mit ihre Mitbewohnerin regelmäßig frisch. Ich bin froh, dass eine gesunde Ernährung für sie auch so wichtig ist und habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, dass ich das versprochene Rezeptbuch mit Familienrezepten immer noch nicht fertig habe.

Welches ist für Euch als Familie die wichtigste Mahlzeit am Tag und warum?

Das Mittagessen. Morgens ist es meist viel zu hektisch zusammen zu frühstücken. Abends   unterrichten wir täglich von 17-21 Uhr, so haben wir leider nur am Wochenende die Möglichkeit zusammen Abendbrot zu Essen. Emil isst jetzt Mittag im Kindergarten, aber wir haben es trotzdem beibehalten gemeinsam Mittag zu essen. Manchmal  isst er noch etwas, oder er sitzt einfach dabei und erzählt vom Tag.. Julia kommt nicht vor 14 Uhr nach Hause, deshalb essen wir auch ziemlich spät und an manchen Tagen, wenn sie bis 16 Uhr Schule hat auch ohne sie. Gerade deshalb ist es uns so wichtig an den Wochenenden gemeinsam am Tisch zu sitzen.


Arme Ritter oder Brot im Pelz



Ganze Eier, in einem tiefen Teller, mit einer Schuss Milch  aufschlagen salzen und pfeffern eventuell mit Kräutern abschmecken. (Bei der süßen Variante kann man die Eiermischung mit Vanillezucker und wenig geriebene Zitronenschale verfeinern). Weißbrotscheiben - am besten vom Vortag - (geht auch mit Toastbrotscheiben) in die Eier tauchen und die Brote gut vollsaugen lassen. Eine Pfanne heiß werden lassen und die Brotscheiben in etwas Öl von beiden Seiten goldbraun braten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und warm servieren. Sehr lecker dazu ein frischer Salat. Die Mädchen lassen gerne noch eine Scheibe Käse darauf schmelzen.



Kommentare on "Familienessen: Zu Gast bei "Emil und die großen Schwestern""
  1. Danke für den schönen Beitrag, das interessante Interview und die gute Idee, mal salzige Arme Ritter zu machen.
    Beste Grüße von Nina, der diese Rubrik sehr gut gefällt.

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    1. Vielen Dank, dass du mich zu diesem Interview eingeladen hast. Es hat sehr viel Spaß gemacht die Fragen zu beantworten. Ich liebe diese Reihe und freu mich schon auf die nächsten Beiträge.
      Liebe Grüße, Éva

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    2. Gerne, liebe Éva, mir hat's auch Spaß gemacht!

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  2. Vielen Dank, dass wir mal bei Éva vorbeischauen durften...um in den "Suppentopf" zu gucken :-))

    Herzlichst
    Corana

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  3. Ich liebe diese Reihe auch, besonders die Beschreibung der Koch-Sessions lässt einen gut nachvollziehen, wie wichtig und unterhaltsam Essen in Eurem Haushalt ist! Danke fürs Interview Éva und Kikabu!

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  4. Danke für eure Einblicke, das interessiert eine junge Mama mit Essneuling natürlich sehr!

    LG
    Saskia

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  5. Ich staune immer mal wieder über diese Langen Regale mit Fertigessentüten ... essen das wirklich so viele Leute? Ich finde den Geschmack so eklig, dass wir das zu Hause noch nie gemacht haben. Mit ein bisschen Kreativität braucht man wirklich kein einziges Fertiggericht. Was ich allerdings gerne nehme sind TK-Gemüse (wenn kein frisches zu haben ist). Das ist frisch verarbeitet und einfach nur vom Beet aus eingefroren. Man muss es nicht erst putzen und es ist gut portionierbar.
    Évas arme Ritter kenne ich aus meiner Kindheit auch, da meine Kinder die aber nicht so gerne mochten, gab es statt dessen Pfannkuchen. Die sind ähnlich, gehen ganz schnell und sind vielseitig.

    Grüße! N.

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  6. Ein tolles Interview, vielen Dank. Bei Eva und ihrer Familie würde ich gerne mal mitkochen und am Tisch sitzen. Vor allem die Beschreibung der kochenden Oma fand ich wunderschön und ich habe jetzt schrecklich Lust auf Kartoffelplätzchen mit Pflaumenmus (obwohl ich grade gegessen habe)... Sehr sympathisch.
    Eine tolle Reihe, die ich immer mit großer Begeisterung lese.

    Herzlich, Katja

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    1. Die Erzählung von Évas Oma hat mir auch sehr gefallen und es hat sich so ein wohliges Kindheitsgefühl eingestellt. Bei meiner Oma habe ich früher Haferflocken mit Dosenmilch gegessen. Könnte ich mir heute gar nicht mehr vorstellen, war aber so lecker. :-)

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  7. Was für ein toller Einblick in Evas Esszimmer und was für ein wunderbarer Rückblick in ihre Kindheit. Es ist schön, durch diese Rubrik auch ein bisschen mehr über die Blogger selbst zu erfahren. Danke für das gelungene Interview und natürlich auch Danke an Eva für das Rezept :-)
    Liebe Grüsse
    Chrissi

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Schön, dass Ihr bei mir vorbeischaut. Ich freue mich über Eure Nachricht!

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