Mittwoch, 27. Juni 2012

Familienessen: Zu Gast bei "Das kann ja heiter werden!"

Hallo Ihr Lieben, ich freu mich riesig, Euch heute eine neue Rubrik vorstellen zu können. Sie heißt "Familienessen: Zu Gast bei..." und ist aus unserem täglichen Familien-Wahnsinn entstanden. Wenn es bei uns Zuhause ums Essen geht, wird's nämlich häufig anstrengend. Die Sprüche unseres 6-Jährigen wie "Das mag ich nicht", "Das ist nicht nach meinem Geschmack", "Ich ess Nudeln nur ohne Soße" gehören da fast schon zur Tagesordnung. Der kleine Junge (2) macht den Großen nach und mit einem angewiderten "Bäh" schieben beide den Teller weg. Super, was?
Deshalb ist eigentlich aus purem Eigennutz diese Rubrik entstanden. Im Herbst, wenn der Große zur Schule kommt, muss ich wieder selber kochen, bisher hat er im Kindergarten gegessen. Um dann nicht völlig zu verzweifeln, schaue ich mal, wie es bei anderen Blogger-Mamas am gemeinsamen Esstisch aussieht und ganz nebenbei springt vielleicht noch ein neues Lieblingsgericht für meine Jungs heraus.

Das erste Interview habe ich mit Steffi von "Das kann ja heiter werden" geführt. Steffi berichtet so lustig und liebevoll von ihrer Familie mit drei Kindern, dass es mir immer viel Spaß macht, bei ihr vorbeizuschauen. Außerdem zeigt sie so viele schöne DIY-Ideen, kann toll zeichnen...ach, schaut einfach mal bei ihr vorbei. Jetzt geht's aber erstmal los mit dem 1. Familienessen!



Hallo! Ich bin Steffi und ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein darf. Als Viola mich fragte, ob ich bei ihrem Familienessen mitmache, hab ich natürlich ja gesagt, denn erstens macht sie immer so schöne Fotos von Sommerdrinks oder Sonntagssüßen, dass ich auch im echten Leben jederzeit und bereitwillig dabei wäre, und zweitens ist Violas Blog sowieso eins meiner Liebsten. Wenn ihr im Text von Sprosse, Spross und Sprösschen lest - das sind die Internetnamen für meine Tochter, Sohn und Söhnchen.

Welches ist Euer absolutes Lieblingsessen, das bei der ganzen Familie, vor allem bei den Kindern, Begeisterungsstürme auslöst?

Bei der ersten Frage schossen mir spontan diese Gedanken durch den Kopf: "So, in den nächsten zwei Wochen werde ich die Essgewohnheiten meiner Kinder revolutionieren. Ab nächster Woche wird hier alles anders! Ausgewogen! Abwechslungsreich! Diszipliniert! (zu diesen Sätzen bitte im Geiste den A-Team-Soundtrack schmettern) ... Dann bin ich bereit, hier mitzumachen. Dann kann ich an dieser Stelle ein ausgefallens, innovatives Familienrezept zeigen..."

und dann

"Begeisterungsstürme? Bei allen Kindern?? Die wahrheit ist ja wohl: bei drei Kindern geht die Wahrscheinlichkeit, dass alle drei Kinder ein Lieblingsessen haben (von Begeisterungsstürmen ganz zu schweigen) gen null...." So dachte ich und dann habe ich mir den Kopf zermartert, was ich hier - außer Fischstäbchen - präsentieren könnte. Und soll ich euch was sagen? Mir sind doch tatsächlich zwei Sachen eingefallen. Wer hätte es gedacht! Ich nicht!

Das eine Gericht - das absolute Lieblingsgericht meiner Kinder - ist total simpel. Es ist für jeden was dabei und lässt sich nach Laune und Belieben zusammenstellen. Perfekt also für drei Kinder, von denen jedes andere Vorlieben hat. Bei diesem Gericht ist allerdings nicht das Was das besondere, sondern das Wie und Wo:


Picknick ruft bei meinen Kinder immer Begeisterungsstürme hervor. Egal, ob im Wald oder am Strand, im Garten oder auf dem Wohnzimmerboden. Picknick wird geliebt! Wenn ich eine Mahlzeit als Picknick deklariere, wird jedes Essen zum Event und einfache Dinge wie Brot und Gurke werden interessant, nur weil sie zu einem Picknick gehören.

Das zweite Gericht ist etwas ausgefallener. Ich bin gespannt, ob es einer von euch kennt. Es ist ein typisch ostwestfälisches Gericht und vielleicht mögen die Kinder es deswegen alle so gern. Denn das gibt es immer bei Omma!



Pickert ist eine Art Kartoffelpuffer, allerdings werden zu den geriebenen Kartoffeln noch Eier, Mehl, Milch und Hefe gegeben. Man kann ihn mit Marmelade, Rübenkraut, Butter oder Pflaumenmus essen. Manche essen angeblich auch Leberwurst dazu, aber bei uns in der Familie wird er mit Marmelade gegessen. So finde ich ihn am leckersten - oder pur, wenn er frisch gebacken und knusprig aus der Pfanne kommt.

Pickert ist etwas aufwändig herzustellen, zumindest wenn man keine Küchenmaschine besitzt. Wer keine Küchenmaschine besitzt und die Kartoffeln von Hand reiben muss, trainiert dafür die Armmuskulatur (der sogenannte Pickertarm. Ratet mal, wer einen hat...).

Das Familienrezept arbeitet mit Massen von Zutaten, denn bei uns wurde immer auf Vorrat gebacken. Das reicht locker für 30 Personen oder für mehrere Beutel für die Tiefkühltruhe. Ich habe mich nicht getraut, irgendetwas zu ändern (wenn ich was an Rezepten ändere, geht das meistens schief), deshalb bekommt ihr hier das Rezept für 30 Personen. Wer die Mengenangaben selbst umrechnen möchte - nur zu! Viel Spaß dabei! Ich übernehme keine Verantwortung! :-)
 




Wie experimentierfreudig sind Deine Kinder: Probieren sie alles aus oder gibt es Protest?

Protest ist Sprösschens zweiter Vorname. Er protestiert bei allem, Essen ist keine Ausnahme. Neue Nahrungsmittel - Komplettverweigerung.
Der Spross ist sechs. Er geht in die Vorschule und ist seit neuestem sehr an Comics interessiert: Das bedeutet, er versteht es, seine Abneigung sehr malerisch auszudrücken: "Bäää!" (Griff an den Hals mit Würgegeräuschen) "Igiiiiitt!" (künstliches Röcheln und Augenverdrehen) "Uääöööch!" (Umfallen und Totspielen). Alles, was zum Repertoire eines Sechsjährigen gehört. Daran hat er sehr viel Spaß ...ich weniger. Die Große drückt sich entweder sehr höflich aus: "Was soll das denn bitte sein?" Oder ganz ohne Worte. Ein Blick in ihr Gesicht zeigt mir sehr genau, was sie von Nahrungsmittel XY hält.

Zusammenfassend kann ich also antworten: Ja, es gibt Protest!

Welche Nahrungsmittel gehen bei Euch Zuhause gar nicht?

Puh! kann ich aufzählen, welche Nahrungsmittel gehen? Nein, im Ernst. Es kommt auf die Kombination der Nahrungsmittel an. Meine Kinder - wie viele Kinder, vermute ich - essen ihr Essen gerne in Einzelbestandteilen. Alle Gerichte, bei denen mehrere Bestandteile zusammen gemixt werden und nicht mehr einzeln erkennbar sind, sind ihnen höchst suspekt. Suppen, Eintöpfe, Pfannen oder Quiches gehen also meistens gar nicht.

Wie wichtig sind Euch feste Rituale am Tisch, wie zum Beispiel gemeinsames Tischdecken, ein Tischspruch (wie im Kindergarten) oder ein Gebet?

Am gemeinsamen Tischdecken (und auch Abräumen) arbeite ich grade...

Feste Rituale haben wir eigentlich nicht. Unsere Mahlzeiten starten ziemlich oft mit ziemlich großem Tumult, weil alle Schmacht haben und jeder zuerst will. Gelegentlich bringen wir dann erstmal alle zur Ruhe und zählen mit den Fingern bis fünf. Solange müssen alle einmal still sein. Danach geht's wieder. Manchmal. Manchmal fällt dem Sprösschen mitten im Essen ein, dass er gerne noch "Piep, Piep, Piep, wir haben uns alles lieb..." machen möchte.
Und manchmal beten wir ein Tischgebet, dass vor allem den Jungs sehr gut gefällt, denn bei diesem Gebet kann man richtig laut werden. Es heißt "Der Tischrap" und funktioniert so: Man klopft zweimal mit den flachen Händen auf den Tisch und einmal in die Hände zum Rhythmus von "We will rock you!" von Queen. Möglichst laut. So, dass das Geschirr klappert. Wenn alle den richtigen Rhythmus haben, betet-rappt-grölt man "Für dich und für mich ist der Tisch gedeckt, habe Dank, lieber Gott, dass es uns gut schmeckt!"

Was hast Du als Kind gerne gegessen?

Erdbeertorte! Zu jedem Geburtstag habe ich mir Erdbeertorte gewünscht, ganz einfach mit Biskuitboden, Erdbeeren und Tortenguss und Sahne obendrauf. Mmhhh! Da werden seligste Kindheitserinnerungen wach. Bei Erdbeertorte wird mir sofort feierlich zumute. Den selbstgemachten Kartoffelsalat von meiner Omma und meiner Mama. Auch ein echtes Familienrezept. Samstag abends versammelte sich die Familie - meine Schwester und ich frisch der Badewanne entstiegen - zur Schwarzwaldklinik um den Wohnzimmertisch und es gab Kartoffelsalat mit Würstchen. Familientradition.
Und dies noch: Meine Großeltern wohnten bei uns im Haus und wir Kinder haben ab und zu dort gegessen. Zum Abendbrot hat meine Omma uns Graubrot mit Schmierkäse (oder Schmelzkäse) gemacht. Dazu hat sie uns immer Äpfel geschält und klein geschnitten. Ich habe immer bewundert, wie schnell sie Äpfel schälen konnte. Die Kombination von Brot mit Schmierkäse und Apfel finde ich heute noch großartig.

Als ich früher krank war, hat mir meine Mutter immer Grießpudding gemacht und mir ging es ein kleines bisschen besser. Gibt es bei Euch auch so ein „Tröster-Essen“?

Ein spezielles "Tröster-Essen" gibt es bei uns nicht. Wenn hier eins der Kinder krank ist, kriegt es alles, wonach ihm der Sinn steht. Bei der Sprosse sind es meistens Eierpfannkuchen, die beiden Kleineren sind da noch nicht so festgelegt. Wenn Bratwürstchen helfen, gibt es Bratwürstchen, wenn Nutellabrot hilft, gibt es Nutellabrot. Hauptsache, Kind isst.

Wie wichtig ist für Dich gesunde, ausgewogene Ernährung und wie setzt Du sie um?

Ich achte auf gesunde Ernährung, aber ich renne nicht mit dem Brokkoli hinter meinen Kindern her. Ich bin keine "möglichst wenig Süßes und möglichst wenig Fett"-Verfechterin. Meine Kinder dürfen Süßigkeiten, Schokokekse und manchmal auch Chips essen. Nicht willkürlich, sondern in Maßen. Wenn sie zwischen den Mahlzeiten Schmacht haben, gibt es meistens Knäckebrot, Zwieback oder Reiswaffeln. Aber zu bestimmten Gelegenheiten dürfen sie sich auch mal an Waffeln oder Kuchen satt essen. Zum Mittagessen gibt es eher Reis oder Kartoffeln als Pommes, zum Abendessen gibt es viel Rohkost, wie Gurke, Möhre und Apfel. Ansonsten muss man halt ein bisschen suchen und experimentieren. Bei dem Einen funktioniert Gemüsesuppe, die andere vertilgt im Moment tonnenweise Wassermelone und Erdbeeren, der nächste liebt Schlangengurken und Müsli. Im Großen und Ganzen recht ausgewogen, behaupte ich mal.

Welches ist für Euch als Familie die wichtigste Mahlzeit am Tag und warum?

Die wichtigste Mahlzeit ist für mich nicht die warme oder am aufwändigsten gekochte Mahlzeit (obwohl ich weiß, dass es meinen Kindern die Laune versaut, wenn das Mittagessen nicht genehm ist oder es nix Spannendes zum Abendbrot gibt...). Für mich ist die wichtigste Mahlzeit die, bei der alle Familienmitglieder da sind. Unter der Woche kommt es sehr selten vor, dass alle da sind zu den Mahlzeiten. Wenn sich die Jungs morgens aus dem Bett schälen, ist die Große schon aus dem Haus. Mittags sind nur die Jungs und ich da, und zum Abendbrot schafft es der Papa meistens nicht rechtzeitig.
Deswegen sind bei uns die wichtigsten Mahlzeiten die am Wochenende. Wenn alle da sind und wir alle zusammen essen können. Wenn wir Zeit und Ruhe haben, uns zu unterhalten, Pläne zu schmieden oder Rumzualbern.


 Liebe Steffi, vielen Dank, dass Du Dir so viele Gedanken gemacht hast!!




Kommentare on "Familienessen: Zu Gast bei "Das kann ja heiter werden!""
  1. vielen dank für deine einladung, liebe viola! :-) liebste grüße!
    steffi

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  2. Eine schöne Idee, deine neue Rubrik...! Und ein toller Auftakt mit Steffis Tischgeschichten :-)) Da freu ich mich auf mehr... Sonnige Grüße

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  3. Was für eine tolle Idee! Und was für ein schöner Einstand. Ich bin gespannt, wie es in Sachen Essen in Zukunft bei uns laufen wird und werde hier sicher viele gute Tipps bekommen.
    Liebe Grüsse und ich freue mich auf mehr Familienessen!
    Chrissi

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  4. Eine tolle Idee für eine Serie und witzige Antworten. Bei einigen habe ich sehr gelacht, weil ich vieles wiedererkannt habe, vor allem die Würgegeräusche... ;-)

    Lieber Gruß und ein tolles Wochenende -
    Katja

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  5. Da schließe ich mich gerne an: eine wirklich tolle Idee.
    Die Antworten von Steffi sind klasse. Ihren Blog verfolge ich genau wie deinen sehr gerne. Eure Ideen sind immer klasse. Und selbst wenn es hier sehr turbulent zugeht und wenig Zeit ist, wird hier immer vorbeigeschaut.
    Auf weitere Interviews bin ich sehr gespannt, man lernt ja nie aus. Und vllt. bekomm ich noch nen Trick mit, wie ich unsere teils Essensverweigerer zum Essen bewegen kann.

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Schön, dass Ihr bei mir vorbeischaut. Ich freue mich über Eure Nachricht!

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